Daubhausen im Kreise Wetzlar
Die Hugenottengemeinde Daubhausen im Kreise Wetzlar
Von Oberpfarrer i. R. Himmelreich (Braunfels) und Wilh. Arabin (Herborn)
Vorwort
In diesem Jahre werden es 250 Jahre, daß eine Anzahl Hugenottenfamilien im ihres Glaubens willen aus Frankreich flüchteten und von dem Grafen Wilhem Moritz von Solms-Greifenstein aufgenommen und in Daubhausen angesiedelt wurden. Die Gemeinde Daubhausen beabsichtigt deshalb, in diesem Jahre an die Einwanderung ihrer Vorfahren ein Dankfest zu feiern.
Daubhausen vor der Einwanderung der Hugenotten
Meines Wissens kommt das Dorf Daubhausen zum ersten Male im Jahre 1284 vor, wo es heißt, daß der dortige Zehnte solmsisch sei. Zwei Jahre später, am 30. Dezember 1286, verkauft der Dynast Widekind von Liechtenstein dem Werner, Schwiegersohn Sannes, Bürger in Wetzlar, seinen Hof und die dazugehörigen Güter im Dorfe Duphusen. Im September 1314 (am Tag Phillipi und Jacobi) verkaufen Gernand Lye und Gysela, Wetzlarer Bürger, dem Kloster Altenberg 4 Malter Korn, 2 Gänse, 4 Hühner und 1 Fastnachtshuhn jährlicher Gülte aus ihren in Daubhausen gelegenen Gütern. Im Jahre 1317 verkauft der Dynast Widekind von Liechtenstein den Wetzlarer Bürgern Werner und Konrag, Söhnen der verstorbenen Lye, seinen Teil Zehnten in Daubhausen, der andere Teil Zehnten gehörte seinem Blutsverwandten, dem Dynasten Kraft von Greifenstein. Im Jahre 1335 verkauft der Wüppeling Simon von Merenberg einige Gülten aus seinen Gütern in Dillheim, Daubhausen und Berghausen an den Grafen Johann von Solms-Burgsolms.
Im folgenden Jahre belehnt Dynast Widekind von Liechtenstein den Wüppeling Eberhardt von Schadeck. Graf Johann von Solms-Burgsolms und seine Angehörigen verkaufen im Jahre 1354 ihre Zehnten an Holz, Wald, Wiesen und Äckern an den Adligen Gerlach von Leun, genannt Mohr, Lyßen, seine eheliche Wirtin und an Wilhelm von Leun und ihre Erben für 153 Pfund Heller. Unter den Zeugen befindet sich Paulus, Pemser zu Dylnheim, und Pfarrer Heinrich von Leun.
Aus einer Urkunde vom Jahre 1361 geht hervor, daß der Adlige Joh. Mönch von Buseck das Dorf Daubhausen im Pfand hatte. Am 7. Dezember 1362 gibt Richalt von Hersperg (Hirschberg), Bürger zu Wetzlar, zur Gründung einer Messe dem Matthiasaltar zu Wetzlar eine Gülte von seinem Malter Frucht aus seinem Daubhäuser Gute; nachdem schon im Dezember 1323 der Wetzlarer Bürger Berlinger, genannt Zellever, und seine Gattin Luze von Daubhausen demselben Altar einen Metretam (Tonne) Oel aus ihrem Acker zu Daubhausen verkauft hatten. Der Acker lag zwischen den Aeckern, genannt der Beldisheverin und Deuperts von Aldindorf. Im Jahre 1383 löste Graf Johann von Solms-Burgsolms den Zehnten von Daubhausen wieder ein. Am Tage Walpurgis 1454 verkauft der Adelige Henner Riedesel und sein gleichnamiger Sohn 13 Mesten erblicher Gülte, die Metten Kabbes zu Daubhausen alle Jahre aus dem Kalbegut auf St. Michaelistag gegültet hatte, den frommen Leuten Werner von Berghausen und Allheidt für 10 gute rheinische Gulden, die sie bezahlt haben. Der Wüppeling Balthes von Schönbach verkauft am Sonntag Reminiscere 1517 13 Mesten Korn, auf St. Michaelistag fällig, aus seinem Hof zu Daubhausen, genannt der Keldenhof, an Diethardts Eidam Heiderich zu Greifenstein und Katharina für 17 Gulden Frankfurter Währung. Das Gericht zu Dillheim siegelt den Kaufbrief. Im folgenden Jahre (1518) am St. Georgentage kaufen Ritter Heinrich von Werdorf und seine Gattin Margarethe von Preunheim 13 Mesten Korngülte aus dem Hofe und den Kelbegütern zu Daubhausen an den Henderich Reiseknecht zu Greifenstein und Katharina, seine Ehefrau, für 20 Gulden. Den mehrmals genannten Kelbenhof erwirbt im Jahre 1534 Graf Bernhardt III. von Solms-Braunfels, und sein Sohn Graf Phillip, kaufte im Jahre 1550 vom Kloster Altenberg eine Gülte zu Daubhausen, die bestand in 6 Malter 7 ½ Mesten Korn, 6 Tournos, 3 Gänsen und 3 Hahnen.

Die Daubhäuser Kirche, die ein Filial von Dillheim war, soll im Jahre 1370 erbaut worden sein. Die Besoldung, die das Dörfchen an den Dillheimer Pfarrer zu leisten hatte, bestand im Jahre 1611 aus 26 Mesten Korn. Bei der Kirchenvisitation, di im Jahre 1608 von dem geistlichen Inspektor Cancionus abgehalten wurde, "wunderte man sich über die Anflädigkeit der Kirche in Daubhausen, auch darüber, daß kein Zaun um die Kirche und kein Schloß an derselben war". Die Gemeinde wurde ermahnt alles in bessere Ordnung zu bringen. Daß Daubhausen auch im 30-jährigen Kriege zu leiden hatte, versteht sich von selbst. Eine merkwürdige Geschichte ergab sich im Jahre 1630. Damals kam es öfters vor, daß Abteilungen holländischer Soldaten, die unter dem Obersten Wolrabe, Baron de Genth, zu Soest im Quartier lagen, unsere Gegend durchstreiften, kaiserliche Soldaten gefangen nahmen und klöster heimsuchten. So hatten sich auch 12 Reiter unter Anführung eines Hauptmannes, der vorgab zu den Soester Truppen zu gehören, in Daubhausen einquartiert. Sie wurden nächtlicherweise von einem hessischen Kommando von 100 Mann überfallen, zum Teil niedergehauen, zum Teil nach Gießen gebracht. Mehrere Daubhäuser, darunter der Schultheiß, wurden bei diesem Überfall verwundet. Graf Wilhelm I. von Solms-Greifenstein trat deshalb gegen den Landgrafen wegen Landfriedensbruch klagend auf. Der Landgraf Georg erwiederte darauf, daß sich von den durch das Land ziehenden Heeren einzelne Abteilungen abzweigten und nicht gegen feindliche Truppen Krieg führten, sondern gegen friedliche Untertanen. Vornehmlich hielten sich diese Banden in Ländern von geringem Umfang auf, wo sie sich durch Übertritt auf ein Nachbargebiet leicht Nachstellungen entziehen könnten. Häufig behaupteten sie auch, in den Diensten Hollands zu stehen. Eine solche Bande habe sich schon längere Zeit an Dill und Lahn, bis zur Wetterau hin umhergetrieben. Dieselbe sei sogar so frech gewesen, offen Rekruten anzuwerben, und diese, sowie sich selbst durch Einfälle in kleine Städte und insbesondere in Klöster mit Geld, Waffen und Pferden zu versehen. Namentlich sei das Kloster Altenberg wiederholt von ihnen heimgesucht und gebrandschatzt worden.
Diese Räubereien und weil die General-Staaten, sowie insbesondere der Oberst Baron de Genth, jede Verbindung mit dem Gesindel in Abrede gestellt, hätten den Landgrafen bestimmt, ein wachsames Auge auf dasselbe zu haben, und als die Bande neuerdings wieder einem Kaufmanne bei Langgöns eine Koppel Pferde gewaltsam abgenommen, habe er dieselbe durch ein Kommando Soldaten verfolgen lassen, welches sie in Daubhausen erreicht und dort aufgerieben habe. Daß Daubhäuser Eingesessene dabei zu Schaden gekommen, sei ihm unbekannt. Indessen schade das nichts, weil sie notorisch mit den Landzwingern mittelst thätlicher Beihülfe und Hehlerei gemeinschaftliche Sache gemacht.
Die Landgrafen von Hessen-Darmstadt standen mit den Grafen von Solms auf schlechtem Fuße wegen der Schutzherrschaft über Kloster Altenberg und weil sie nach den Besitzungen des Hauses Solms in der Wetterau lüstern waren. Der Hauptmann von Daubhausen – er schrieb sich Böhm – scheint damals entkommen zu sein. Denn von Hilchenbach schrieb er an den Hauptmann von Buseck, der das Überfallkommando geführt hatte, er sei noch am Leben und gelobe für den Daubhäuser Überfall gebührende Vergeltung.
Ein Jahr nach dem großen Kriege, also 1649, hatte Graf Wilhelm II. von Solms-Greifenstein einen Streit mit der Gemeinde Daubhausen über Wald, Wiesen, Mast und Schäferei. Am 6. Dezember wurde derselbe beigelegt. Gemeindevertreter waren Schultheiß Martin Löll, Hans Löll, Endrich Neukircher, Johannes Seibert.
Nach einem Verzeichnisse der Einwohner und des Zugviehs in Daubhausen vom Jahre 1677 kommen vor: 1. Johann Niklas Kuhl mit 2 Pferden, 2. Merten Beuteler (1 Pferd), 3. Kaspar der Köhler (1 Pferd), 4. Johann Peter Meister (1 Pferd), 5. Hans Hermann Seibert (1 Pferd) und die Einspännischen, 6. Johann Seibert, 7. Heinrich Löll, 8. Johann Georg Boltz und Anna Lautzin Wittich. Einbegriffen waren hierin nicht die Bewohner des gräflichen Hofes (Keldenhofs), die ihre Abgaben wohl direkt abführten. Ich vermute das, weil 8 Jahre später bei der Einwanderung der Hugenotten, die Anzahl der Familien größer war und auch Namen vorkamen, die im Verzeichnisse von 1677 fehlten. Manche mögen auch noch zugezogen sein, vielleicht durch Einheirat. Es waren im Jahre 1685 17 Familien, die wegzogen und entschädigt wurden. Die meisten von ihnen erhielten vom Grafen Wilhelm Moritz in Edingen wohnsitze und Güter; denn hier war er schon sehr begütert. In Edingen wurden angesiedelt Merte Joste, Johann Peter Meister, Merten Beutelers Kinder, Heinrich Löll, Joh. Daniel Hönnemann, Joh. Georg Boltz verzog nach Dillheim, Jörge Jörg und Johann Jakob Fritz nach Ehringshausen, Hans Jörge Metzger nach Bechlingen, Peter Neukirchner nach Ulm. Joanche Schmidt und Joh. Hermann Seiberts ließen sich abfinden.
Quelle: Beilage zum Kasseler Sonntagsblatt für den Kreis Wetzlar aus 1935
Aktualisiert (Freitag, den 01. Januar 2010 um 12:44 Uhr)

